Pressekonferenz am 03.11.

Hier eine Zusammenfassung von unsere Pressekonferenz und eine Stellungsnahme zu dem Radunfall in Berlin:

Vorstellung der Letzten Generation und unsere Vision
Viele von uns sind schon länger in der Klima- und Überlebensbewegung aktiv, die in Österreich und indernational auch zum Mittel des friedlichen zivilen Widerstands greift. Das “neue” am Aufstand der Letzten Generation ist, dass wir wieder und wieder mit Name und Gesicht in Aktion gehen, weil die Klimakrise inzwischen ein absoluter Notfall ist und gerade die jüngere Generation absolut nichts mehr zu verlieren hat.

Zitat Prof. Schellnhuber: “Wir schieben unsere Kinder in einen globalen Schulbus, der mit 98% Wahrscheinlichkeit tödlich verunglückt.”

Als erste Generation, die den beginnenden Klimakollaps spürt sind wir gleichzeitig die letzte, die ihn noch irgendwie aufhalten kann – daher kommt der Name. Wir wollen so lästig und nervig sein mit unseren Aktionen, dass wir zumindest einmal nicht wie alle anderen Klima- und Überlebensproteste der Vergangenheit von der Politik ausgesessen und ignoriert werden. Wir sind Teil eines weltweiten Netwerks von Bewegungen, die das gleiche Ziel verfolgen, zu dem auch etwa Just Stop Oil im UK, die bundesdeutsche Letzte Generation und Dernière Rénovation in Frankreich zählen.

Was haben wir bis jetzt erreicht?
Innerhalb weniger Monate haben wir in Österreich einen Bekanntsheitsgrad erreicht, den wir uns nur schwer vorstellen könnten. Die Menschen kennen uns und wir zeigen, dass an einer Überlebenspolitik kein Vorbei geben darf.

Erfolge in anderen Ländern
Insulate Britain, eine Vorläuferbewegung von Just Stop Oil im UK, hat sich mit ihrer Forderung nach einem staatlichen Programm zur Wärmeisolierung von Wohnungen durchgesetzt. Die Aktionen waren maßgeblich daran beteiligt, das sonst so langweilige Thema “Wärmedämmung” ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und auf die politische Agenda zu bringen. Ein ähnlicher Erfolg scheint sich jetzt gerade für Dernière Rénovation in Frankreich abzuzeichnen.

Bei unseren Aktionen: Wut und Zuspruch
Wir erleben Wut, aber auch immer mehr Zuspruch bei unseren Aktionen. Wir stören den Alltag nicht gern. Es macht uns keinen Spaß, uns bei jedem Wetter an die Straße zu kleben. Eine am Boden sitzende Mutter wurde regelrecht umgerannt, ein Pädagoge von einer Autofahrerin mit Wasser übergossen. Aber wir erleben auch immer mehr Solidarität vor Ort. Eine andere Autofahrerin und Passanten haben uns Tücher überreicht, um uns zu trocknen nach der Wasser-Attacke. Passant:innen bringen uns Getränke oder Essen mitten auf die Straße. Oder sagen uns immer öfters „Danke, dass ihr das macht.“

Wie geht es in Österreich weiter?
Wir werden in Wien unsere Straßenaktionen für dieses Jahr pausieren – auch, um der Regierung eine Nachdenkpause zu verschaffen, damit sie sich mit den Fakten und der Wissenschaft zu Tempo 100 beschäftigen kann. Sollte es im neuen Jahr immer noch keine Bereitschaft geben, für unser Überleben tätig zu werden, werden wir ab 9. Jänner noch entschlossener und mit noch mehr Menschen wiederkommen. In der Zwischenzeit fokussieren wir uns auf die Bundesländer, und in Wien auf Vorträge und Mobilisierung. Es gibt in Graz, Linz und Innsbruck bereits Menschen, die sich uns anschließen wollen und die bald vor Ort erste Aktionen starten.

Nachsatz: keine Straßenaktionen in Wien heißt keine Aktionen, bei der sich Menschen in den inzwischen bekannten orangen Warnwesten in Wien auf Straßen setzen und/oder kleben. Sonstige Aktionsformate (als Stichworte seien Kunst, Sport und Farbe genannt) sind davon nicht betroffen. Wichtig ist uns aber immer, dass wir keinen bleibenden Schaden anrichten.

Fake-News mancher Medien zum Radunfall und schlimmste Morddrohungen
Unsere Empathie und Betroffenheit gilt an diesen Tagen der Radfahrerin, die in Berlin von einem Betomischer überfahren wurde und inzwischen im Krankenhaus verstorben ist. Wir verweisen hier ausdrücklich auf die Stellungnahme aus Deutschland, wo auch auf die mediale Diffamierungs- und Hetzkampagne und zahlreiche Faktenverdrehungen eingegangen wird.

  1. Es war ein Protest auf einer Schilderbrücke, nicht auf einer Straße. Kein Mensch der Letzten Generation saß am betreffenden Tag auf der betreffenden Autobahn. Die Sperrung erfolgte durch die Polizei.
  2. Die Feuerwehr wurde nicht durch den Stau an sich blockiert, sondern durch Autofahrer:innen, die die Rettungsgasse verstopften. Das ist leider trauriger Alltag, und wird viel zu wenig thematisiert. Siehe auch das Problem mit Falschparker:innen, besonders im städtischen Raum. Wäre es eine Blockade der Letzten Generation auf der Autobahn gewesen, hätten wir die Rettungsgasse frei gemacht – die Menschen, die auf der betreffenden Spur sitzen, sind aus diesem Grund nie angeklebt.
  3. Ein Notfallsanitäter im Einsatz sagt, dass eine Crashrettung notwendig gewesen wäre. Der Rüstwagen der Feuerwehr wäre auch ohne Stau zu spät gekommen, um eine Rettung noch zu ermöglichen.

Sollte einmal tatsächlich ein Mensch durch Aktionen der Letzten Generation zu Schaden kommen, dann tut uns das unendlich leid. Wir wollen den Alltag stören, nicht Menschen in Not – wir lassen Einsatzfahrzeuge und Notfälle durch.

Es ist nur so, dass wir jedes andere (weniger störende) Protestmittel versucht haben, und es leider nicht gereicht hat. Wir wünschen uns eine Welt, in der das für unser aller Überleben nicht mehr notwendig ist. Eine Welt, in der Politiker:innen von sich aus wissenschaftliche Fakten ernst nehmen und entsprechend handeln, ganz ohne dass wir uns dem Alltag in den Weg stellen müssen.

Morddrohungen und KZ-Wünsche
Wir bekommen telefonisch und schriftlich stetige Morddrohungen und schlimmste Aussagen nach dem Verbotsgesetz. Es fallen Sätze wie: „Wir werden euch nach den Aktionen verfolgen“, „Ich werde euch mit Benzin übergießen und über eure Köpfe fahren.“ oder „Mauthausen wartet auf euch.“

Referenzen:
Aussage einer Notärztin: https://www.sueddeutsche.de/politik/letzte-generation-unfall-berlin-radfahrerin-1.5686980
Stellungsnahme aus Deutschland: https://letztegeneration.de/blog/2022/11/statement-zum-unfall-es-ist-zeit-eine-grenze-zu-ziehen/
Stellungsnahme vom Notfallsanitäter: https://www.buzzfeed.de/news/notfallsanitaeter-klima-klimaaktivismus-klimaproteste-letzte-generation-kleber-rettungsdienst-91890475.html

Im Übrigen verweisen wir darauf, dass die Einladung zur Pressekonferenz mehrfach an alle Medien ausgesendet wurde.